Frankreich MiCA: Warum Paris sich gegen Passporting nach Mindeststandard wehrt
Frankreich MiCA: Warum Paris sich gegen Passporting nach Mindeststandard wehrt

Frankreich MiCA: Warum Paris sich gegen Passporting nach Mindeststandard wehrt

Ellie Montgomery · Frankreich · 20. Januar 2026 · 3m

Nur Informationszwecke. Keine Rechts- oder Steuerberatung.

MiCA-Passporting in einfachen Worten

MiCA bietet Krypto-Asset-Dienstleistern (CASPs) einen klaren Weg: in einem EU-Land zugelassen werden und dann über Passporting Dienste in der gesamten Union anbieten. Die Idee ist ein Regelwerk statt 27 unterschiedlicher Regime.

In der Praxis entsteht eine zweite Dynamik: Einige Firmen streben eine Zulassung in Jurisdiktionen an, in denen das Verfahren schneller oder weniger streng ist, und treten dann in den gesamten EU-Markt ein. Das nennt man regulatorische Arbitrage.

Warum Frankreich gegen Passporting nach Mindeststandard ist

Frankreichs Hauptanliegen ist, dass ein einheitliches Regelwerk nicht überall mit derselben Strenge angewendet wird.

2025 wurde das öffentlich zwischen Aufsichtsbehörden diskutiert: Reuters berichtete von Spannungen, weil einige Jurisdiktionen MiCA-Zulassungen schneller erteilten als andere, und Frankreich — über seinen Aufseher — die Möglichkeit eines Einspruchs gegen in anderen EU-Ländern erteilte Lizenzen nicht ausschloss.

Pariser Kernargument ist einfach: Wenn ein großer Anbieter eine leichte Lizenz erhält und französische Kunden bedient, landen Verbraucher-, Reputations- und Banken-Compliance-Risiken in Frankreich — während Frankreich nur begrenzten Einfluss darauf hat, wie der Heimataufseher die laufende Aufsicht durchsetzt.

Was auf EU-Ebene diskutiert wird: Stärkere ESMA-Aufsicht und mehr Zentralisierung

Vor diesem Hintergrund hat die Europäische Kommission Optionen in den Raum gestellt, wonach ESMA direkte Aufsichtsbefugnisse über die größten Krypto-Unternehmen erhalten könnte, um Lücken in nationalen Ansätzen zu verringern.

Diese Idee stößt auf Widerstand: Malta hat sich etwa öffentlich gegen eine Zentralisierung in dieser Phase ausgesprochen und vor zusätzlicher Bürokratie sowie einem möglichen Wettbewerbsnachteil für die EU gewarnt.

Die eigentliche Frage für 2026 lautet: MiCA-Passporting weitgehend beibehalten (mit Fokus auf konvergente Aufsicht) — oder für die größten Player eine härtere zweite Aufsichtsebene über ESMA einführen.

Was das für Börsen und Krypto-Dienstleister ändert

Falls Frankreichs Linie an Fahrt gewinnt — durch Aufsichtspraxis oder Reformen — werden mehrere Ergebnisse wahrscheinlicher:

1) Lizenzierung wird schwieriger

Erwarten Sie höhere Anforderungen an interne Kontrollen, Risikomanagement, Interessenkonflikte und operative Transparenz — besonders für große Plattformen. Die Logik: Wer die gesamte EU bedient, sollte den höchsten Standard erfüllen, nicht nur den Minimalstandard.

2) Mehr Prüfung auf tatsächliche Substanz

Aufseher schauen über die juristische Adresse hinaus: wo das Team sitzt, wie Compliance besetzt ist, wie Schlüsselaufgaben ausgeführt werden, Verwahrungsarrangements und wie AML-Kontrollen praktisch funktionieren.

3) Mehr Reibung beim Passporting

Mehr Informationsanfragen, engere Produkt-/Channel-Genehmigungen und vorsichtigeres Marketing oder Listings für sensible Assets.

Was es für Nutzer bedeutet: KYC/AML und On-/Off-Ramps

Für die meisten Nutzer wirken sich die Änderungen über Banken und Fiat-Rails am stärksten aus:

  • KYC/AML wird bankähnlicher: stärkerer Fokus auf Source of Funds/Wealth (SoF/SoW), Transaktionszweck, Wallet-/Adressverknüpfungen sowie Transaktionshäufigkeit/-muster.
  • On-/Off-Ramps werden selektiver: an manchen Orten erhöht sich die Stabilität (weniger plötzliche Sperren), während „graue" Wege schneller verschwinden — besonders in Ländern mit strenger Banken-Compliance.
  • Mehr standardisierte Bescheinigungen und Reporting: meist ein Nettovorteil, weil es das Chaos bei Dokumentation und Streitfällen reduziert.

2026 Anleger-Checkliste

  1. Wählen Sie Plattformen, die klar die Zuständigkeit, den MiCA-Autorisierungsstatus und landesspezifische Servicebedingungen offenlegen.
  2. Halten Sie Ihre Unterlagen sauber: Exports, TX-Hashes, Ein-/Auszahlungs-Historien und Nachweise über Mittel — nützlich für Banken und Steuerberichte.
  3. Verlassen Sie sich nicht auf einen einzigen Fiat-Kanal: SEPA, Karten und alternative Anbieter sind nicht nur Komfort — sie sind Resilienz.

Gewinner sind meist Dienste, die von Anfang an ernsthafte Prozesse aufbauen: Compliance, klare Regeln und sorgfältige Bankbeziehungen. Wählen Sie mit Bedacht.

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MiCA in Frankreich: Passporting, ESMA-Aufsicht und Banken | Hexn