Drei Arten der Indexierung verstehen
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Drei Arten der Indexierung verstehen

Alice Cooper · 28. August 2025 · 10m ·

Index-ETFs verwenden verschiedene Gewichtungsmethoden, die auf spezifische Anlageziele abgestimmt sind. Bei einem nach Marktkapitalisierung gewichteten Index-ETF wird jede Aktie entsprechend ihrer Marktkapitalisierung gewichtet. Hingegen erhält in einem gleichgewichteten Index-ETF jede Aktie dieselbe Gewichtung, unabhängig von Marktkapitalisierung oder anderen Finanzkennzahlen. In einem Fundamental-Index-ETF werden die Bestandteile anhand grundlegender Kennzahlen wie Dividenden, Gewinnen oder Umsätzen statt der Marktkapitalisierung gewichtet.

Grundlagen

Im Bereich von Anlageprodukten wie Exchange-Traded Funds (ETFs) erweist sich Indexierung als vielschichtige Strategie. Index-ETFs nutzen drei unterschiedliche Gewichtungsmethoden: marktkapitalisierungsgewichtet, gleichgewichtet und fundamentalgewichtete Indizes. Jede Strategie hat Vor- und Nachteile und richtet sich an unterschiedliche Anlage- und Risikomanagementziele. Marktkapitalisierungsgewichtete Index-ETFs sind durch Stabilität gekennzeichnet und konzentrieren sich auf einige wenige große Unternehmen. Im Gegensatz dazu bieten gleichgewichtete und fundamentalgewichtete Index-ETFs eine erhöhte Diversifikation und Potenzial für Outperformance. Diese Alternativen gehen jedoch mit höheren Verwaltungsgebühren und größerer Volatilität einher.

Marktkapitalisierungsgewichtete Indexierung

Marktkapitalisierungsgewichtete Index-ETFs, wie diejenigen, die den S&P 500 nachbilden, gewichten Unternehmen nach ihrer Marktkapitalisierung, wodurch größere Unternehmen stärkeren Einfluss erhalten. Diese Methode bildet zwar die allgemeinen Markttrends ab, ist jedoch anfällig für unverhältnismäßige Auswirkungen einzelner großer Konzerne.

Wie marktkapitalisierungsgewichtete Indexierung funktioniert

Ein nach Marktkapitalisierung gewichteter Index verteilt die Gewichte seiner Bestandteile proportional zur Marktkapitalisierung. Einfach ausgedrückt: Je größer die Marktkapitalisierung eines Unternehmens, desto stärker prägt es die Indexentwicklung. Die Marktkapitalisierung errechnet sich durch Multiplikation des Aktienkurses mit der Anzahl der ausstehenden Aktien.

Betrachten wir einen hypothetischen Index mit drei Unternehmen: Unternehmen X (600 Mrd. $ Marktkapitalisierung), Unternehmen Y (400 Mrd. $) und Unternehmen Z (200 Mrd. $). Die gesamte Marktkapitalisierung dieses Index beträgt 1,2 Billionen $. Unternehmen X hält einen Anteil von 50 %, Unternehmen Y 33,33 % und Unternehmen Z 16,67 %. Folglich haben Kursbewegungen von Unternehmen X einen deutlich größeren Einfluss auf den Index als die von Unternehmen Y und Z.

Anleger bevorzugen in der Regel marktkapitalisierungsgewichtete Index-ETFs wegen ihrer Stabilität und Kosteneffizienz. Diese ETFs geben ein verlässliches Bild der Markttrends wieder, getrieben durch etablierte, hoch bewertete Unternehmen. Allerdings können sie eine übermäßige Konzentration in bestimmten Sektoren aufweisen und das gewünschte Diversifikationsniveau vermissen lassen.

Vor- und Nachteile marktkapitalisierungsgewichteter Index-ETFs

Marktkapitalisierungsgewichtete Index-ETFs bieten bestimmte Vorteile und Nachteile:

Vorteile

  • Marktabbildung: Dieser ETF-Typ spiegelt die Marktbedingungen gut wider, wobei größere Unternehmen stärker ins Gewicht fallen.
  • Niedriger Turnover: Seltenes Rebalancing reduziert Transaktionskosten im Vergleich zu anderen Index-ETFs.
  • Liquidität: Die in der Regel höhere Liquidität großer Unternehmen erleichtert den Handel.

Nachteile

  • Konzentrationsrisiko: Der Einfluss einiger weniger großer Unternehmen kann Volatilität und Risiko erhöhen.
  • Unterrepräsentation: Kleine Unternehmen spielen eine untergeordnete Rolle und es können Wachstumschancen verpasst werden.
  • Potenzielle Marktverzerrung: In Haussephasen kann eine Überbewertung verstärkt werden, da steigende Werte das Gewicht überbewerteter Unternehmen in diesen ETFs erhöhen.

Beispiele für marktkapitalisierungsgewichtete Index-ETFs

  1. SPDR S&P 500 ETF (SPY): Repräsentiert die 500 größten US-Aktien nach Marktkapitalisierung.
  2. MSCI ACWI (ACWI): Deckt entwickelte und Schwellenländer weltweit ab.
  3. EURO STOXX 50 (SX5E): Besteht aus 50 Aktien aus 8 Ländern der Eurozone.

Gleichgewichtete Indexierung

Bei der gleichgewichteten Indexierung erhält jeder Bestandteil das gleiche Gewicht, unabhängig von Marktkapitalisierung oder Finanzkennzahlen. Diese Methodik sorgt für eine ausgewogene Exponierung gegenüber allen Indexunternehmen und reduziert die Anfälligkeit gegenüber dem Einfluss weniger großer Titel.

Wie gleichgewichtete Indexierung funktioniert

Gleichgewichtete Indizes weisen jedem Bestandteil ein einheitliches Gewicht zu, unabhängig von Marktkapitalisierung oder anderen Merkmalen. Folglich trägt jede Anlage gleich zur Gesamtentwicklung des Index bei. In einem hypothetischen gleichgewichteten Index mit 100 Unternehmen hätte jedes eine Gewichtung von 1 %, unabhängig von unterschiedlichen Marktkapitalisierungen.

Um dieses Gleichgewicht zu erhalten, werden gleichgewichtete Indizes periodisch rebalanciert, typischerweise viertel- oder halbjährlich. Dabei wird das Portfolio angepasst, indem Gewinner verkauft und Verlierer gekauft werden, sodass die Komponenten ihre gleichen Gewichtungen behalten.

Vor- und Nachteile gleichgewichteter Index-ETFs

Gleichgewichtete Index-ETFs bieten spezifische Vor- und Nachteile, die auf bestimmte Anlageziele zugeschnitten sind.

Vorteile

  • Diversifikation: Dieser ETF-Typ erzielt ein ausgewogenes Verhältnis über Sektoren und Unternehmensgrößen hinweg und vermeidet eine Überbetonung weniger Large Caps, wodurch kleinere Titel potenziell besser zur Geltung kommen.
  • Geringeres Konzentrationsrisiko: Im Vergleich zu marktkapitalisierungsgewichteten ETFs minimieren gleichgewichtete Indizes die Anfälligkeit für Volatilität, die von einigen wenigen großen Unternehmen ausgehen kann.
  • Potenzial für höhere Renditen: Kleine Unternehmen, die in marktkapitalisierungsgewichteten ETFs oft unterrepräsentiert sind, können in gleichgewichteten Portfolios höheres Wachstumspotenzial bieten.

Beschränkungen

  • Höhere Kosten: Regelmäßiges Rebalancing führt zu erhöhten Transaktionskosten, und die aktivere Verwaltung kann zu höheren Gebühren führen.
  • Volatilität: Das höhere Marktrisiko kleinerer Unternehmen führt zu erhöhter Volatilität in diesen ETFs.
  • Sektorimbalancen: Eine Dominanz kleinerer Unternehmen in einem bestimmten Sektor kann unbeabsichtigt das Gleichgewicht eines gleichgewichteten Index-ETFs verschieben.

Beispiele für gleichgewichtete Index-ETFs

  1. Invesco S&P 500 Equal Weight (RSP): Eine gleichgewichtete Variante des S&P 500.
  2. Invesco Russell 1000 Equal Weight Index (EQAL): Umfasst die 1.000 größten US-Unternehmen mit gleicher Gewichtung.
  3. First Trust Nasdaq-100 Equal Weighted Index (QQEW): Eine gleichgewichtete Anpassung des Nasdaq-100-Index.

Fundamentale Indexierung

Bei der fundamentalen Indexierung werden Dividenden, Gewinne, Umsätze und Schlüsselkennzahlen verwendet, um die Gewichtung der Aktienbestandteile zu bestimmen, anstatt sich auf die Marktkapitalisierung zu stützen. Diese Methodik betont den inneren Wert und die finanzielle Stabilität eines Unternehmens.

Wie fundamentale Indexierung funktioniert

Ein fundamentaler Index weist den Wertpapieren Gewichte basierend auf fundamentalen Kennzahlen wie Gewinnen, Dividenden, Umsatz oder Buchwert zu, statt auf der Marktkapitalisierung. Ziel ist es, den inneren Wert eines Unternehmens stärker in den Fokus zu rücken als dessen Marktbewertung.

Beispielsweise könnte ein Index eine Kombination aus Dividenden, Gewinn je Aktie und Umsatz zur Bestimmung der Gewichtung jeder Aktie heranziehen. Wenn Unternehmen X in diesen fundamentalen Kennzahlen besser abschneidet als Unternehmen Y, beeinflusst X den Index entsprechend stärker. Periodisches Rebalancing, das viertel-, halbjährlich oder jährlich erfolgen kann, bringt den Index in Einklang mit den gewählten Kennzahlen und spiegelt die neuesten Daten wider. Beim Rebalancing können Aktien mit verbesserten Fundamentaldaten an Gewicht gewinnen, während abnehmende Fundamentaldaten zu Gewichtsreduktionen führen können.

Vor- und Nachteile fundamentaler Index-ETFs

Fundamentale Index-ETFs bieten bestimmte Vorteile und Herausforderungen.

Vorteile

  • Fokus auf inneren Wert: Durch Bewertung nach fundamentalen Kennzahlen zielen diese ETFs auf den inneren Wert von Unternehmen ab und können konsistentere Renditen liefern.
  • Reduzierte Volatilität: Diese ETFs können weniger volatil sein als marktkapitalisierungsgewichtete Produkte, da sie weniger stark von Marktstimmungen beeinflusst werden.
  • Value-Orientierung: Typischerweise begünstigen sie Value-Aktien und bieten ein günstiges Chancen-Risiko-Verhältnis.

Beschränkungen

  • Mögliche Underperformance in Haussemärkten: In starken Märkten können diese ETFs hinter marktkapitalisierungsgewichteten Pendants zurückbleiben, da eine Fokussierung auf Fundamentaldaten keine Überrendite garantiert.
  • Komplexität: Die Einbeziehung verschiedener fundamentaler Kennzahlen macht diese ETFs komplexer zu verstehen und zu analysieren.
  • Höhere Kosten: Häufigeres Rebalancing zur Aktualisierung fundamentaler Daten kann zu höheren Transaktionskosten und Verwaltungsgebühren führen.

Beispiele für fundamentale Index-ETFs

  1. Pimco RAFI ESG U.S. ETF (RAFE): Von Pimco entwickelt, verwendet dieser ETF eine Kombination aus sozialen Verantwortungskriterien und einer Smart-Beta-Strategie zur Abbildung des RAFI ESG U.S. Index.
  2. Schwab Fundamental U.S. Large Company Index (FNDX): Nutzt bereinigte Umsätze, einbehaltene operative Cashflows und Dividenden plus Aktienrückkäufe zur Gewichtung.
  3. Invesco FTSE RAFI US 1000 (PRF): Dieser ETF integriert vier fundamentale Faktoren: Dividenden, Cashflow, Umsätze und Buchwert.

Performancebewertung von Index-ETFs

Bei der Bewertung der ETF-Performance betrachten Anleger üblicherweise Kennzahlen wie Kursgewinne, Dividenden, Gesamtkostenquote (Expense Ratio) und den Nettoinventarwert. Eine umfassende Einschätzung umfasst die Analyse historischer und aktueller Performance, der Portfoliostruktur und risikoadjustierter Renditen. Die Tracking-Differenz, die angibt, wie genau der Fonds seinen Referenzindex abbildet, ist entscheidend: Geringere Tracking-Differenzen deuten auf eine bessere Übereinstimmung und potenziell bessere Performance hin. Darüber hinaus beeinflussen Expense Ratios die Nettorendite maßgeblich und sollten vor einer Anlageentscheidung genau geprüft werden.

Untersuchung der Merkmale von SPY (marktkapitalisiert), RSP (gleichgewichtet) und FNDX (fundamental) zum Ende November 2023:

Characteristics of SPY, RSP, and FNDX as of the end of November 2023
ItemSPYRSPFNDX
Expense Ratio (%)0.090.20 0.25
P/E Ratio20.3615.98 14.62
P/B Ratio4.032.812.16
Distribution Yield (%)1.431.742.04
Top-10 Holdings of SPY, RSP, and FNDX as of the end of  November 2023
 Item SPY RSPFNDX
 1Microsoft (7.35%)Allstate Corp. (0.26%)Apple Inc. (4.65%)
 2Apple (7.29%)Expedia Group Inc. (0.25%)Microsoft Corp. (3.04%)
 3Amazon.com Inc. (3.51%)Gartner Inc. (0.25%)Berkshire Hathaway Inc. Class B (2.33%)
 4NVIDIA Corporation (3.11%)Assurant Inc. (0.25%)Meta Platforms Inc. Class A (2.17%)
 5Alphabet Inc. Class A (2.12%)Progressive Corp. (0.24%)JPMorgan Chase & Co. (1.91%)
 6Meta Platforms Inc. Class A (1.94%)Willis Towers Watson PLC (0.24%)Intel Corp. (1.84%)
 7Alphabet Inc. Class C (1.82%)QUALCOMM Inc. (0.24%)Exxon Mobil Corp. (1.75%)
 8Berkshire Hathaway Inc. Class B (1.72%)Fair Isaac Corp. (0.24%)Amazon.com Inc. (1.48%)
 9Tesla, Inc. (1.70%) Cardinal Health Inc. (0.24%)Verizon Communications Inc. (1.32%)
 10UnitedHealth Group Incorporated (1.32%)Seagate Technology Holdings PLC (0.24%)Alphabet Incorporated Class A (1.31%)
    
SPY, RSP, and FNDX Performance as of the end of October 2023
Index1 Year (%)3 Years Annualized (%)5 Years Annualized (%)10 Years Annualized (%)
SPY21.5010.069.7711.77
RSP13.1411.207.779.91
FNDX19.5715.289.5310.79

Fazit

Die Wahl zwischen marktkapitalisierungsgewichteten, gleichgewichteten und fundamentalgewichteten Index-ETFs hängt von Ihrer Strategie und Ihrer Risikotoleranz ab. Marktkapitalisierungsgewichtete ETFs, beispielhaft vertreten durch den S&P 500, spiegeln die Marktstimmung wider, können jedoch stark von großen Unternehmen beeinflusst werden. Gleichgewichtete ETFs bieten ausgeglichene Exponierung gegenüber allen Indexunternehmen, gehen jedoch mit höheren Transaktionskosten durch häufiges Rebalancing einher. Fundamentale Index-ETFs legen den Fokus auf innere Werte wie Dividenden, Umsatz und Gewinne und können stabilere Ergebnisse liefern, bleiben in starken Haussemärkten aber möglicherweise zurück.

Das Verständnis dieser Unterschiede ist entscheidend für einen effektiven Portfoliobau und Anlageerfolg. Während marktkapitalisierungsgewichtete ETFs für breite Marktabbildung bekannt sind, bieten gleichgewichtete und fundamentalgewichtete Alternativen, die auf ausgeglichene Exponierung und inneren Wert setzen und so unterschiedlichen Anlagezielen gerecht werden.

Exchange-Traded Funds (ETFs)
Fundamental Indexing
Equal-Weighted Indexing
Market-Cap-Weighted Indexing