VIX-ETFs integrieren: Strategien zur Portfolio-Optimierung
Der VIX, auch Volatilitätsindex genannt, ist ein weithin anerkannter Indikator für Marktvolatilität und wird oft zur Messung der Anlegerangst herangezogen. Anleger können ETFs handeln, die den VIX nachbilden, um auf künftige Marktbewegungen zu spekulieren oder sich dagegen abzusichern. Bevor Sie solche Produkte in Ihr Portfolio aufnehmen, ist es wichtig, zu verstehen, wie der VIX und die entsprechenden ETFs funktionieren und welche spezifischen Risiken damit verbunden sind.
Grundlagen
Wer sich im Bereich der Geldanlage bewegt, benötigt ein tiefes Verständnis der Marktdynamik, insbesondere der Marktvolatilität. Diese beschreibt schnelle und erhebliche Kursausschläge innerhalb kurzer Zeiträume. Hier kommt der VIX ins Spiel, ein Finanzinstrument, das von Cboe Global Markets (Cboe) entwickelt wurde, um Marktvolatilität zu messen. Häufig mit dem Akronym Volatility Index (VIX) bezeichnet, wird er aus impliziten Volatilitäten abgeleitet, die aus den Preisen von S&P 500-Indexoptionen gewonnen werden, und liefert eine Einschätzung der erwarteten 30-Tage-Volatilität. Neben der reinen Beobachtung der Marktvolatilität können Anleger gezielt in Wertpapiere investieren, die den VIX abbilden: VIX-ETFs können als möglicher Ansatz interessant sein.
Investorensentiment entschlüsseln: Den Volatilitätsindex verstehen
Als „Angstindex“ dient der VIX als Barometer für das Vertrauen oder die Besorgnis der Anleger bezüglich potenzieller Marktvolatilität. Sein Verlauf hängt eng mit den Bewegungen des Aktienmarktes zusammen und steigt typischerweise an, wenn die Aktienkurse fallen — oftmals überproportional.
Während viele Anleger den VIX zur Unterstützung bei Aktiengeschäften nutzen, existieren auch alternative Instrumente. Die Cboe Volatility Suite bietet beispielsweise VIX-Optionen und -Futures an, mit denen Investoren direkt auf den Volatilitätsindex setzen können, unabhängig von einzelnen Aktienbewegungen.
Das Anlageuniversum rund um den VIX umfasst zudem Exchange-Traded Funds (ETFs), was die Materie im Vergleich zu normalen Aktiendepots komplexer macht. Dennoch lohnt es sich, VIX-ETFs zu betrachten — vorausgesetzt, man versteht genau, wie sie funktionieren, und ist sich der spezifischen Risiken und Chancen in diesem Nischenbereich der ETF-Landschaft bewusst.
VIX-gebundene Exchange-Traded Funds
VIX-ETFs stellen eine differenzierte Anlageklasse dar und bieten keinen direkten Zugang zum VIX-Index. Üblicherweise bilden sie stattdessen VIX-Futures-Indizes ab, wodurch bestimmte inhärente Risiken entstehen (siehe unten). Viele VIX-ETFs sind als Exchange-Traded Notes (ETNs) strukturiert, sodass für Anleger das Emittentenrisiko von Banken meist eine geringere Rolle spielt.
Ein bekanntes Produkt ist das iPath S&P 500 VIX Short-Term Futures ETN (VXX), das eine Long-Position in VIX-Futures der ersten und zweiten Laufzeitmonate hält und diese täglich „rollt“. VXX tendiert dazu, in Phasen niedriger Volatilität Kursgewinne zu verzeichnen, was dem Bestreben der Volatilität entspricht, zum Mittelwert zurückzukehren.
Inverse VIX-ETFs profitieren dagegen von fallenden VIX-Werten und werden teils als Absicherung in turbulenten Marktphasen eingesetzt. Einige Produkte wie die VelocityShares Daily Inverse VIX Short-Term ETN und die VelocityShares Daily Inverse VIX Medium-Term ETN wurden 2020 geschlossen — unter anderem nach dem starken Anstieg des VIX von rund 115 % Anfang 2018. Ein Beispiel für einen inversen VIX-ETF ist der ProShares Short VIX Short-Term Futures ETF (SVXY), der VIX-Kurzfristfutures als Indexreferenz nutzt und eine 0,5x inverse Exponierung ohne Hebel bietet. SVXY erzielte 2017 eine Rendite von beeindruckenden 181,84 %, erlitt jedoch Mitte 2018 einen drastischen Einbruch von −91,75 % während einer Volatilitätswelle.
Andere inverse Produkte, wie das inzwischen delistete VelocityShares Daily Inverse VIX Medium-Term ETN (ZIV), setzten auf S&P 500 VIX Mid-Term Futures und erzielten 2017 durch strategische Ausrichtung nahezu 90 % Rendite.
Herausforderungen bei VIX-ETFs
Die Besonderheit von VIX-ETFs liegt in der Natur des VIX selbst: Er misst die „implizite“ Volatilität, nicht die tatsächliche historische Volatilität. Der Index entsteht aus einer gewichteten Mischung der Preise von S&P 500-Indexoptionen und spiegelt folglich die Bereitschaft der Marktteilnehmer wider, in S&P 500-Geschäfte einzusteigen.
VIX-ETFs haben jedoch Schwierigkeiten, den VIX exakt abzubilden. Einmonatige ETN-Proxy-Produkte erfassen häufig nur 25 % bis 50 % der täglichen VIX-Bewegungen, und mittelfristige Produkte performen meist noch schlechter, da VIX-Futures-Indizes als Benchmarks unvollkommen sind. Darüber hinaus unterliegen Positionen in VIX-ETFs im Zeitverlauf einem Wertverfall, bedingt durch die Struktur der VIX-Futures-Kurve. Dieser Verfall reduziert die Mittel, die zum Rollen in nachfolgende Futures-Kontrakte zur Verfügung stehen, und führt bei den meisten VIX-ETFs zu andauernden Langfristverlusten.
Wie die genannten Beispiele zeigen, sind VIX-ETFs sehr anfällig. Inverse Volatilitäts-ETFs können bei Volatilitätsspitzen massive Verluste erleiden und an einem einzigen turbulenten Tag faktisch ausgelöscht werden. Anleger sollten deshalb genau prüfen, wer die Produkte verwaltet, und inverse VIX-ETFs eher als kurzfristige Chancen denn als langfristige Positionen betrachten, da sie extrem volatil sein können.
Fazit
Wer den Bereich der VIX-ETFs ins Visier nimmt, fährt mit einer taktischen, kurzfristig ausgerichteten Herangehensweise am besten — mitunter können Positionen nur einen Tag gehalten werden. Die hohe Liquidität vieler Produkte bietet Raum für spekulative Strategien. Trotz des hohen Risikos können vorsichtiges Risikomanagement und diszipliniertes Trading bei VIX-ETFs attraktive Möglichkeiten eröffnen.